Diese prunkvolle Stadt war einst die Hauptstadt Äthiopiens. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte sie ihre Blütezeit und war Residenz der Könige und Kriegsherren. Gondar wurde während der Herrschaftszeit von Kaiser Fasilidas (1632-1667) zur Hauptstadt Äthiopiens. Fasilidas baute auch die ersten Paläste und schuf damit eine Grundlage, die von vielen seiner Nachfolger fortgeführt wurde. Im 17. Jh. war Gondar die größte Stadt des Landes, ein bedeutendes wirtschaftliches, religiöses sowie kulturelles Zentrum und über die Grenzen hinaus bekannt für die hervorragenden Handwerker. Ab der Mitte des 19. Jh. verlor Gondar allerdings seine Bedeutung, als Kaiser Tewodros II. seinen Regierungssitz nach Debre Tabor verlegte und später sogar nach Makdalla. In den 80er Jahren des 19. Jh. wurde Gondar regelmäßig von Stämmen aus dem Sudan geplündert und in den Anfängen des 20. Jh. existierte die Stadt nur noch auf dem Papier. Durch britische Bomben während des äthiopischen Befreiungskrieges im Jahre 1941 wurden leider mehrere historische Gebäude beschädigt. Jedoch blieben die meisten Schlösser und Gebäude, aus besseren Zeiten Gondars, recht gut erhalten und gehören heute zu den wichtigsten historischen Stätten Äthiopiens. Gondar ist besonders eindrucksvoll zur Zeit des Weihnachtsfestes am 7. Januar und während des Erscheinungsfestes am 19. Januar. Dann pilgern tausende Gläubige in die historische Altstadt, um den Prozessionen beizuwohnen. Das wohl schönste Gebäude Gondars ist der zweistöckige Palast von Kaiser Fasilidas. Er besteht aus braunen und grob behauenen Basaltsteinen, die von Mörtel zusammengehalten werden. Der angeblich von einem indischen Architekten entworfene Palast besitzt ein flaches Dach und einen rechteckigen Turm von dem man bis zum Tana – See schauen kann. Vier kleine Türme, die mit Kuppeln und Zinnen versehen sind, verleihen dem Bauwerk etwas Märchenhaftes. Weitere sehenswerte Gebäude sind die Bibliothek von Kaiser Yohannes I. (1667-1682), der Palast von Kaiser lyasu I. (16821706) und der große Saal von Kaiser Dawit III. (1716-1721), den man im Volksmund auch „Haus der Lieder“ nennt, da früher in ihm zahlreiche Zeremonien abgehalten wurden. Weiterhin sollte man unbedingt noch den Palast des Ras Mika’el Se’ul sowie das Echege-Haus besichtigen. Etwas außerhalb der Stadt, im Tal des Kaha-Flusses, liegt das besonders beeindruckende und gut erhaltene Bad von Kaiser Fasilidas. Einmal im Jahr wird das Becken anlässlich des Erscheinungsfestes mit Wasser gefüllt. In Gondar sind bis heute einige sehr schöne Kirchen erhalten geblieben. Eine der schönsten ist die Kirche von Medhane Alem, ein sakraler Rundbau, der von Kaiser Fasilidas errichtet wurde. Die sehenswerteste aller Kirchen in Gondar ist die „Dreieinigkeits-Kirche“, die auf dem „Berg des Lichtes“ von Debre Birhan Selassie erbaut wurde. Diese besitzt sehr gut erhaltene Wandgemälde, die biblische Szenen darstellen. Auch den Markt in Gondar sollte man unbedingt besuchen. In dem bunten, geschäftigen Treiben findet man zahlreiche schöne Fotomotive.

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